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A la Carte March 29, 2018 00:00





In this issue of A la Carte : Eine Küche fürs Leben? Neuerdings haben immer mehr Spitzenrestaurants ein Ablaufdatum. Die Lust, sich neu zu erfinden, ist
gerade sehr en vogue. Wir haben uns schon an Limited Editions aller Art gewöhnt oder nehmen diese mit verhaltener Begeisterung
wahr. Dass es etwa hierzulande kein echtes Kobe-Beef aus Japan gibt, auch wenn man uns das australische als solches verkauft. Dass es in den freundlichsten Szenerestaurants nie einen Platz gibt und man dort auch gar nicht reservieren kann. Oder dass man auf einen Tisch
in den weltbesten Restaurants nicht nur monatelang warten
muss, sondern auch noch an unwürdige elektronische
Reservierungssysteme verwiesen wird, die wie eine Kombination
aus Netbanking und Fahrkartenautomat wirken – irgendwas funktioniert nie. Die gängige Frage im Gourmet-Small-Talk „Warst du
schon bei …?“ wird nun allerdings immer mehr von „Sollen wir noch einmal zu …?“ ergänzt. Denn die neue letzte Ausbaustufe der Limited Edition heißt „schließt unwiderruflich am …“. So war es beim Noma in Kopenhagen, das nun wieder mit verändertem Konzept Premiere gefeiert hat, so ist es beim grandiosen Hertog Jan des Belgiers Gert De Mangeleer, der dort nur noch bis Ende des Jahres kocht. Und so verhält es sich auch bei Gaggan Anand in Bangkok, der sein gefeiertes Restaurant im Juni 2020 für immer schließt. Er meint, dass Spitzenkoch zu sein mit dem Besteigen eines Berges im Himalya-Massiv zu vergleichen ist. Der Weg zum Gipfel ist hart und befruchtend, wenn man dann aber auf der Spitze steht, dann braucht es neue Ziele, umzusetzen am besten in einem neuen Rahmen, um so effektiv mit der Vergangenheit abzuschließen. Mehr über den indischen Ausnahmekoch lesen Sie ab Seite 62. Die gängige Kulinarik hat selbst auf High-Level-Niveau ihre Beliebigkeiten. Wir feiern routinemäßig die Normalität in Form von Pop-ups und Kurzgastspielen, statt das tatsächlich Außergewöhnliche zu bewundern. Wir freuen uns über die vielen Neueröffnungen, feiern gebührend den Grundriss jeder neuen Location und vergessen dabei im Überschwang die tatsächlich bewährten Adressen ebenso zu preisen und auf den Sockel zu stellen.
Das ist einer der vielen Gründe, warum es die Trophée Gourmet A la Carte gibt. Für diesen Gourmetpreis werden mehrheitlich nur Betriebe nominiert, die mit jahrelanger Kontinuität einen wichtigen Beitrag zur österreichischen Ess- und Trinkkultur erbracht haben. In unserer
schnelllebigen Zeit ist die prestigeträchtige Trophée Gourmet ein Fels in der Brandung der Flüchtigkeiten. Wir vergeben den Preis seit dem Jahr 1989, also zum 30. Mal. Die Nominierten finden Sie ab Seite 48 in diesem Heft. Christian Grünwald Herausgeber & Chefredakteur



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