2021/3 : Page 1


A la Carte July 09, 2021 00:00





In this issue of A la Carte : Von wegen, die Pandemie ändert alles und jeden. Vieles bleibt gleich, nur draußen findet jetzt wieder deutlich mehr Leben statt.
Die Warteschlange beim bevorzugten Bäcker
war eigentlich nur deshalb so lang,
weil die Corona-Vorschriften nicht mehr Kunden
im Geschäft erlaubten. Jetzt drängelt sich
wieder alles mit schon längst vergessenem Ellbogen-
Elan.
Der Infight um den Brotlaib ist typisch dafür,
wie schnell uns das Abflachen der Pandemiewelle
wieder zu alten Gewohnheiten zurückkehren
hat lassen.
Generell sind wieder die alten Umgangsformen
zurückgekehrt. Von der überschwänglichen
Freundlichkeit und Glückseligkeit bei den
ersten Après-Lockdown-Lokalbesuchen ist wenig
übergeblieben. „Die Gäste schimpfen und
drohen wie früher, wenn sie nicht den ihrer
Ansicht
nach besten Tisch auf der Terrasse bekommen“,
stöhnt ein Wiener Szenegastronom,
wenn man ihn im Juni zu seinen aktuellen Erfahrungen
im noch recht kurzen Restaurantgeschäftsjahr
2021 befragt.
Man muss kein Sterndeuter sein, um vorherzusagen,
dass sich ein ähnliches Befindlichkeitstheater
in diesem Sommer auch an vielen
österreichischen Seen und Touristenspots abspielen
wird.
Eine Sache im Konsumverhalten hat sich
vielleicht doch deutlich geändert bzw. als Neuerung
etabliert. Take-away und To-go sind sowohl
in den Großstädten als auch am Land bei
den Konsumenten fix angekommen. Was anfangs
eine Verlegenheitslösung war, um die
Zeit der geschlossenen Restaurants zu überbrücken,
ist nun ein nicht mehr wegzudenkendes
Angebotssegment. Statt werktags auf günstige
Mittagsmenüs zu reflektieren, greifen immer
mehr Kunden zu Snacks to go à la Salate,
Bowls, Sushi und Ähnliches.
Dazu sind jetzt in diesem Segment nun auch
Restaurants als Mitanbieter dabei, deren individueller
Ehrenkodex es praktisch ausschließt,
dass ihre To-go-Produkte von enttäuschender
Qualität sind.
Man ist gewohnt, aus Pappbecher und Schale
zu genießen. Generationsmäßig gibt es da kein
Limit. Jung wie Alt freut sich über eine neue
Von wegen, die Pandemie ändert alles und
jeden. Vieles bleibt gleich, nur draußen findet
jetzt wieder deutlich mehr Leben statt.
Editorial
IMPRESSUM
Herausgeber / Chefredakteur
Christian Grünwald
Chefin vom Dienst
Nina Kaltenbrunner
Redaktion Wein Willi Balanjuk
Art-Direktion Herbert Winkler
Grafik Sabrina Meyer
Mitarbeiter Text
Georges Desrues, Christina Fieber,
Florian Holzer, Andrea Karrer, Hans
Mahr, Thomas Maurer, Alexander Rabl,
Ro Raftl, Claudia Schemerl-Streben,
Florian Scheuba, Christian Seiler
Fotoredaktion
Joëlle Berndl-Bullens, Elodie Grethen
Mitarbeiter
Foto
Regina Hügli, Ingo Pertramer,
Michael Reidinger
Coverfoto Regina Hügli
Lektorat Nicole Salcher
Eigentümer / Verleger / Produktion
D & R Holding GmbH
Leberstraße 122, 1110 Wien
T 01/740 77-0, F 01/740 77-888
redaktion@alacarte.at
Geschäftsführer
KR Gerhard Milletich
Verlagsleiter Christian Grünwald
Assistenz Andrea Reiter
Produktionsleitung
Joachim Mittelstedt
Projekt- und Anzeigenleitung
Mauricio Queiruga
T 01/740 77-831
anzeigen@alacarte.at
Anzeigen / Promotion
Richard Fassl, Andrea Koini,
Thomas Seitinger
Anzeigensekretariat
Karin Gattermaier
Marketing / Vertrieb und Abo-
Service
T 01/740 77-866
F 01/740 77-896
abo@alacarte.at
Litho Repromedia, 1110 Wien
Druck Berger, 3580 Horn
Vertrieb PGV Austria, 5081 Salzburg
www.alacarte.at
DAS MAGAZIN FÜR ESS- UND TRINKKULTUR
Christian Grünwald Herausgeber & Chefredakteur
Imbiss-Kultur, die punkto Vielfalt und verwendete
Rohstoffe längst so manch traditionelle
Mahlzeiten durchschnittlich aussehen lässt.
Der niedere Preis allein ist nicht das Hauptargument.
Es ist auch Teil eines hierzulande
neuen Lifestyles – so, wie in Bürovierteln in
New York oder Sidney immer schon ein Mittagsimbiss
draußen konsumiert wurde oder
sich in mediterranen Metropolen große Plätze
am Abend mit Menschen füllen.
Gegessen wird open air, im Park oder sonstwo.
Noch nie wurde im öffentlichen Raum so
viel gegessen und getrunken. Das ist aktuell bei
den sommerlichen Temperaturen natürlich ein
Vergnügen, war aber auch schon im regnerischen
Frühling kein Problem. Angebotsmäßig
sind längst auch die Big Player in Form der großen
Supermarktketten auf den Trend aufgesprungen.
Die machen das nicht, weil sie plötzlich
so viel Leidenschaft für Kulinarik haben,
sondern weil sie Bedarf und Wachstum orten.
Wahrscheinlich verkaufen auch die Möbelhaus-
Restaurants ihre Schnitzel bald „to go“.
Diese Entwicklung wird mancherorts auch
eine konstruktive Debatte über die Nutzung
des öffentlichen Raums und alle damit
zusammenhängenden Modalitäten erfordern.
„Bitte nicht den Rasen betreten“-Schilder sind
dabei wohl ebenso ärgerlich wie ein nicht vorhandenes
Abfallkonzept. Auch dass manche
Zonen in Städten und Ausflugsgebieten beinahe
durchgehend und alternativlos mit Konsumangeboten
versehen sind, wird neu zu beurteilen
sein.
Man darf jedenfalls gespannt sein, welche
Attraktionen findige Gastronomen zum Streetfood-
Thema in naher Zukunft entwickeln.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer
an einem ruhigen oder auch aufregenden Platz
Ihrer Wahl.
Christian Grünwald Herausgeber & Chefredakteur



What is Readly?

With Readly you can read A la Carte (issue 2021/3) and thousands of other magazines on your tablet and smartphone. Get access to all with just one subscription. New releases and back issues – all included.

Try Readly For Free!

 

A la Carte

www.alacarte.at/


www.facebook.com /AlaCarte.Magazin


D&R Holding GmbH

www.dundr.at/