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matices July 25, 2020 00:00





In this issue of matices : Liebe Leser*innen,
in dieser Ausgabe widmen wir uns einem wichtigen Thema, das bis vor nicht all zu langer Zeit fast ausschließlich in wissenschaftlichen Kontexten schlummerte und welches nun endlich immer häufiger auch im Alltag an Aufmerksamkeit und Bedeutung gewinnt: Dekolonisierung, koloniale Kontinuitäten und Postkolonialismus.
Spätestens seit dem Mord an George Floyd und dem Zuwachs der Black Lives Matter-Bewegung machen etliche Beiträge im Social Media auf weiße Privilegien, Rassismus und seinen Ursprung in der Kolonialgeschichte aufmerksam.
Auch wenn wir uns offiziell nicht mehr in der Zeit des Kolonialismus befinden, so lebt sein Denken, Fühlen und Handeln fort. Die weltweiten Proteste der letzten Wochen verbreiteten unter anderem das Umdenken und einen neuen, kritischen Umgang mit Statuen von einstigen Sklavenhändlern und Kolonialherren.
So wurden beispielsweise Kolumbusstatuen nicht nur wie schon so lange in lateinamerikanischen Ländern verwüstet oder zerstört, sondern auch in den USA und Europa stürzten Demonstrant*innen Kolumbusdenkmäler um. Mittlerweile wurden auch unter Beschluss von lokalen Politiker*innen einige Statuen, die Kolonialverbrecher ehrten, abgenommen oder kritisch sichtbar kontextualisiert. Auch das Kollektiv El descubrimiento de Europa, denen wir unser Titelbild zu verdanken haben, setzen sich mit dieser Thematik kritisch auseinander. Das Abreißen von Statuen ist allerdings nur ein Teil der Dekolonisierung.
Das Ausbrechen aus kolonialen Strukturen ist wesentlich komplexer, da koloniale Kontinuitäten in allen erdenklichen Lebensbereichen zu finden sind. Von eurozentrischem Denken an den Universitäten, sich als weiße Person tief mit #pachamama verbunden fühlen, Tragen von „aztekischen“ Mustern, über Landraub und Extraktivismus, bis hin zu Spendenplakaten und dem Begriff „Entwicklungshilfe“ – alles darf dekolonisiert werden. So haben auch wir in unserer Redaktion versucht, möglichst verschiedene Beiträge und Perspektiven in unser Special aufzunehmen.
Euch erwartet ein Interview darüber, was Dekolonisierung genau bedeutet und warum es wichtig, ist im Kontext Lateinamerika darüber zu sprechen. Außerdem geht es darum, wie Sprache koloniale Kontinuitäten aufweisen kann und inwiefern Musik dekolonisiert werden sollte.
Auch ein Blick nach China in Bezug auf Dekolonisierung und Portugal ist unabdingbar. ¡descolonicémonos! fordert auch die Initiative12 de Octubre Nada Que Celebrar. In den USA und auch in Ländern Lateinamerikas ist der spanische Nationalfeiertag auch als Columbus Day bekannt.
Warum eine dekoloniale Perspektive notwendig ist, erklärt sich von selbst.
Wir danken Euch allen für Eure Spenden, denn ohne diese würdet Ihr diese Ausgabe jetzt nicht in den Händen halten können! Auf einen anregenden und weiterführenden gemeinsamen Austausch zum Durchbrechen kolonialer Strukturen!
Eure matices Redaktion



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